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racons de nit   2012/13

Wie eine Meeresbrandung werden Nacht für Nacht Abfallwellen vor die Haustüren der engen Gassen der Altstadt gespült. Sie wachsen unaufhörlich. Bevor sie ab Mitternacht in einem polizeiähnlichen Grosseinsatz mit vielen Uniformierten und diversen Spezialfahrzeugen abtransportiert werden, sind immer wieder Menschen unterwegs, manche mit Einkaufs- oder selbstgebastelten Wagen. Sie wühlen alles durch, reissen nicht selten die Kehrichtsäcke auf und verstreuen ihren Inhalt in der Gasse. Auf der Suche nach «Wertvollem im Wertlosen».

Warum sind die Modelle von «racons de nit» klein wie Spielzeug? Es liegt in der Psychologie des Menschen, komplexe Schwierigkeiten oder Bedrohung durch «eine diminuierende Verzerrung» annehmbar und überschaubar zu machen. Schliesslich sind wir davon abhängig, gesellschaftliche Probleme in unseren Alltag integrieren zu können, ohne gleich die Hoffnung zu verlieren. Die grosse, bedrohliche Realität in kleine Wahrheitshappen aufzuteilen, ist im Endeffekt eine Form der psychologischen Abstraktion, die mein künstlerisches Interesse besonders weckt.

Die Modelle sind mit Sorgfalt und Detailliebe von Hand gefertigt wie kleine Statuetten. Sie zeigen nicht auf das Problem, geschweige denn auf eine globale Bedrohung, sondern verniedlichen unsere alltägliche Realitätswahrnehmung in hübscher und dekorativer Weise.